
Geschrieben von Davis Kilian, Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK)
Was genau will mein Auftraggeber da von mir?
Hausverwaltungen, Generalunternehmer, Bauträger und größere Firmenkunden fragen das oft vor dem ersten Arbeitstag. Sie wollen sicher sein: Wenn du bei ihnen etwas kaputt machst oder jemand zu Schaden kommt, steht eine Versicherung dahinter. Sonst bleiben sie im Zweifel auf dem Schaden sitzen oder müssen dir hinterherlaufen.
Gemeint ist fast immer die Betriebshaftpflicht. Sie zahlt meist, wenn du oder deine Leute Dritten einen Schaden zufügen und dafür haften, und wehrt unberechtigte Forderungen ab. Was eine Betriebshaftpflicht im Handwerk abdeckt, steht auf der Seite Betriebshaftpflicht fürs Handwerk.
Der Nachweis selbst ist meist ein kurzes Schreiben deines Versicherers, eine Versicherungsbestätigung. Es hat ein Datum, nennt deinen Betrieb und bestätigt, dass der Vertrag zu diesem Zeitpunkt besteht. Mehr nicht, aber genau das will der Auftraggeber sehen.
Beispiel: Ein Elektrobetrieb mit vier Leuten soll für eine Hausverwaltung die Beleuchtung in drei Treppenhäusern erneuern. Im Auftragsschreiben steht: Nachweis der Betriebshaftpflicht mit Deckungssummen vor Arbeitsbeginn. Der Chef schickt ein Foto der ersten Seite seines Versicherungsscheins, ausgestellt vor vier Jahren. Die Verwaltung schreibt zurück, das reiche nicht, sie brauche eine aktuelle Bestätigung. Er fragt sie beim Versicherer an, bekommt ein einseitiges Schreiben mit Tätigkeit, Summen und Zeitraum und leitet es weiter. Der Termin bleibt stehen, weil er nicht bis zum Vortag gewartet hat.
Das ist eine allgemeine Übersicht, keine Rechtsberatung. Im Einzelfall hilft ein Anwalt.
Reicht der Versicherungsschein nicht einfach?
Der Versicherungsschein ist das Dokument zu deinem Vertrag. Der Versicherer muss ihn dir nach § 3 Abs. 1 VVG in Textform übermitteln. Er beschreibt deinen Vertrag so, wie er bei Ausstellung war: Beginn, Tätigkeit, Summen, Beitrag.
Für deinen Auftraggeber hat der Versicherungsschein drei Haken. Erstens zeigt er nicht, ob der Vertrag heute noch läuft. Der Vertrag kann gekündigt worden sein, und das sieht man dem alten Papier nicht an. Zweitens zeigt er nicht, ob du den Beitrag bezahlt hast. Drittens stehen darin Dinge, die keinen Kunden etwas angehen: dein Beitrag, Nachlässe, vielleicht weitere Bausteine deines Betriebs.
Deshalb wollen viele Auftraggeber eine Bestätigung mit aktuellem Datum. Manchen reicht der Versicherungsschein trotzdem. Frag im Zweifel nach, was genau verlangt wird, bevor du etwas schickst.
Was sollte in der Bestätigung stehen?
Eine gute Bestätigung beantwortet die Fragen des Auftraggebers auf einer Seite. Meist stehen diese Angaben drin:
- Dein Betrieb: Name und Anschrift so, wie sie im Vertrag stehen. Weicht das vom Namen im Auftrag ab, zum Beispiel nach einer Umfirmierung, klär das vorher.
- Die versicherte Tätigkeit: zum Beispiel Elektroinstallation oder Dachdeckerarbeiten. Sie sollte zu dem passen, was du beim Auftraggeber machst.
- Die Deckungssummen: meist getrennt oder pauschal für Personen-, Sach- und Vermögensschäden.
- Der Zeitraum: seit wann der Vertrag besteht und bis wann er läuft oder ob er sich verlängert.
- Vertragsnummer und Ausstellungsdatum: damit der Auftraggeber bei Bedarf nachfragen kann und sieht, wie aktuell das Schreiben ist.
Ob die Bestätigung auch sagt, dass der Beitrag bezahlt ist, hängt vom Versicherer ab. Besondere Grenzen für einzelne Schäden, etwa bei Schlüsselverlust oder Bearbeitungsschäden, stehen meist nicht in der Bestätigung, sondern im Versicherungsschein oder in den Bedingungen. Fragt der Auftraggeber genau danach, sag das beim Anfragen gleich dazu.
Wie komme ich an die Bestätigung?
Du fragst sie bei deinem Versicherer an. Läuft dein Vertrag über meine Agentur, sag mir kurz Bescheid. Am besten gleich mit drei Angaben: Wer will den Nachweis, für welchen Auftrag, und verlangt er bestimmte Mindestsummen. Dann kümmere ich mich um die Anfrage beim Versicherer. Bei anderen Verträgen fragst du direkt beim Versicherer oder bei deinem Vermittler.
Das geht meist schnell. Eine feste Zeit kann ich dir trotzdem nicht zusagen. Plan es deshalb so ein, dass der Nachweis nicht erst am Tag vor Arbeitsbeginn angefragt wird. Wer öfter für dieselben Auftraggeber arbeitet, fragt am besten eine Bestätigung an, die er mehrfach weitergeben kann, und holt sich nach einer Vertragsänderung eine neue.
Was, wenn der Auftraggeber höhere Summen verlangt?
Manche Auftraggeber schreiben Mindestsummen in den Vertrag. Liegen deine Deckungssummen darunter, reicht keine Bestätigung. Dann musst du vor dem Auftrag klären, ob dein Vertrag angepasst werden kann. Wie du die passende Summe für deinen Betrieb findest, steht im Artikel Welche Deckungssumme braucht ein Handwerksbetrieb? Ich prüfe das gern für deinen Vertrag.
Bringst du Subunternehmer mit, fragt der Auftraggeber oft auch nach deren Versicherung. Ob die über deinen Vertrag laufen, klärt der Artikel Sind Subunternehmer über meine Haftpflicht versichert?
Worauf du achten solltest
- Lies genau, was der Auftraggeber verlangt: Bestätigung, Versicherungsschein oder beides, und mit welchen Summen.
- Prüf, ob die versicherte Tätigkeit zu dem Auftrag passt, den du annimmst.
- Vergleich deine Deckungssummen mit den verlangten Mindestsummen, bevor du unterschreibst.
- Frag die Bestätigung früh an, nicht am Vortag.
- Schick keinen vollständigen Versicherungsschein mit Beiträgen, wenn eine Bestätigung reicht.
- Hat sich dein Betrieb geändert, etwa neue Tätigkeit, neuer Name oder mehr Mitarbeiter, sag es deinem Versicherer, bevor du einen neuen Nachweis anforderst.
Häufige Fragen
Wie schnell bekomme ich den Versicherungsnachweis?
Das geht meist schnell, eine feste Zeit kann ich dir aber nicht zusagen. Frag die Bestätigung an, sobald der Auftraggeber sie verlangt, und nicht erst am Tag vor Arbeitsbeginn. Läuft dein Vertrag über meine Agentur, sag mir kurz Bescheid, für wen und für welchen Auftrag du sie brauchst.
Was steht im Versicherungsnachweis?
Meist stehen drin: dein Betrieb, die versicherte Tätigkeit, die Deckungssummen, der Versicherungszeitraum, die Vertragsnummer und das Ausstellungsdatum. Ob auch steht, dass der Beitrag bezahlt ist, hängt vom Versicherer ab.
Reicht nicht einfach der Versicherungsschein?
Manchen Auftraggebern reicht er, vielen nicht. Der Versicherungsschein zeigt den Stand bei Ausstellung, nicht ob der Vertrag heute noch läuft. Außerdem stehen darin Beiträge und Nachlässe, die deinen Auftraggeber nichts angehen. Eine aktuelle Bestätigung ist kürzer und zeigt nur das, was er wissen will.
Passt deine Haftpflicht zu deinen Aufträgen?
Wenn du wissen willst, ob Tätigkeit und Summen deines Betriebs zu dem passen, was deine Auftraggeber verlangen, schau ich mir beim Versicherungs-Aufmaß alle Verträge deines Betriebs zusammen an.