
Geschrieben von Davis Kilian, Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK)
Was bedeutet Deckungssumme überhaupt?
Die Deckungssumme ist der Höchstbetrag, den die Versicherung für einen Schaden zahlt. Was an Schadenersatz darüber liegt, zahlst du selbst.
Bei der Betriebshaftpflicht geht es um Schäden, die du oder deine Leute bei anderen anrichten. Ein Passant wird von einem herabfallenden Werkzeug getroffen. Ein Parkett ist nach einem Wasserschaden hin. Ein Kunde kann seinen Laden nicht öffnen, weil du die Stromversorgung beschädigt hast.
Die Summe steht in deinem Versicherungsschein, meist auf der ersten Seite. Wenn du sie nicht aus dem Kopf weißt, ist das normal. Aber du solltest sie kennen, bevor du den nächsten großen Auftrag unterschreibst.
Gilt die Summe für Personen- und Sachschäden zusammen?
In vielen Tarifen ja. Dort steht eine pauschale Deckungssumme für Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Das heißt: ein gemeinsamer Topf je Schadenfall, egal ob ein Mensch verletzt wurde, eine Sache kaputtgegangen ist oder beides zusammen.
Personenschäden sind oft die teuersten. Behandlung, Verdienstausfall und Rente können über Jahre laufen. Wenn bei einem Unfall gleichzeitig Menschen verletzt und Sachen beschädigt werden, zieht alles aus derselben Summe.
Ältere Verträge nennen manchmal getrennte Summen je Schadenart, zum Beispiel eine für Personenschäden und eine kleinere für Sachschäden. Das ist nicht automatisch schlecht, aber du musst wissen, welche Variante du hast. Gerade wenn ein Auftraggeber eine Summe „pauschal für Personen- und Sachschäden“ verlangt.
Vermögensschäden sind Geldschäden, die nicht aus einem Personen- oder Sachschaden entstehen. Zum Beispiel ein Planungsfehler, der beim Kunden Mehrkosten auslöst, ohne dass etwas kaputtgegangen ist. Dafür gilt je nach Tarif eine eigene, oft niedrigere Grenze. Schau nach, ob dein Vertrag diese Schäden überhaupt nennt und mit welcher Summe.
Was heißt Jahreshöchstleistung oder Maximierung?
Die Deckungssumme gilt je Schadenfall. Daneben steht in vielen Verträgen eine Grenze für alle Schäden eines Versicherungsjahres zusammen. Sie heißt Jahreshöchstleistung. Oft steht dort ein Vielfaches der Deckungssumme, und genau das ist mit „maximiert“ gemeint.
Warum das zählt: Ein Schaden kommt selten allein. Hast du in einem Jahr zwei oder drei größere Fälle, ist die Jahreshöchstleistung irgendwann aufgebraucht. Ab dann zahlt die Versicherung für weitere Schäden in diesem Jahr nichts mehr, auch wenn der einzelne Schaden unter der Deckungssumme liegt.
Prüfe deshalb beides: die Summe je Schadenfall und die Summe je Jahr. Wer nur die erste Zahl kennt, sieht das Jahreslimit nicht.
Was sind Sublimits und wo verstecken sie sich?
Für bestimmte Risiken zahlen viele Tarife nicht die volle Deckungssumme, sondern nur einen kleineren Betrag. Das nennt man Sublimit oder Entschädigungsgrenze. Diese Grenzen stehen im Versicherungsschein oder in den Bedingungen.
Für Handwerker sind vor allem zwei Sublimits wichtig:
- Schlüsselverlust: Du verlierst den Schlüssel eines Kunden, und die Schließanlage muss getauscht werden. Je nach Tarif ist das mitversichert, meist mit einer eigenen Grenze. Bei Schließanlagen in Firmen oder großen Wohnhäusern wird es schnell teuer. Mehr dazu im Artikel Schlüssel vom Kunden verloren: wer zahlt?
- Bearbeitungsschäden: Schäden an der Sache, an der du gerade arbeitest. Die neue Arbeitsplatte, die beim Zuschnitt reißt, oder die Leitung, die du beim Bohren triffst. In vielen Tarifen ist das mitversichert, oft mit eigener Grenze und eigener Selbstbeteiligung. Mehr dazu im Artikel Was ist ein Bearbeitungsschaden?
Daneben kann es weitere Sublimits geben, je nach Tarif und Gewerk. Der Punkt ist immer derselbe: Eine hohe Deckungssumme auf der ersten Seite hilft dir wenig, wenn genau dein typischer Schaden mit einem kleinen Betrag begrenzt ist.
Was verlangen Auftraggeber im Vertrag?
Gewerbliche Auftraggeber, Generalunternehmer, Hausverwaltungen und öffentliche Auftraggeber schreiben oft Mindestsummen in den Vertrag oder in die Ausschreibung. Häufig wollen sie vor Arbeitsbeginn einen Versicherungsnachweis sehen.
Liegt deine Summe darunter, hast du zwei Probleme. Du bekommst den Auftrag vielleicht gar nicht. Oder du unterschreibst trotzdem und erfüllst eine Vertragspflicht nicht. Beides willst du vermeiden.
Lies deshalb jeden größeren Auftrag auf diese Punkte: Welche Summe wird verlangt? Pauschal oder getrennt nach Schadenart? Ist eine Jahreshöchstleistung genannt? Bis wann brauchen sie den Nachweis? Wenn etwas unklar ist, frag den Auftraggeber schriftlich, bevor du unterschreibst.
Beispiel: Ein Elektrobetrieb mit vier Mitarbeitern bekommt von einem Generalunternehmer einen Nachunternehmervertrag für ein Bürogebäude. Im Vertrag steht eine Mindestdeckungssumme für Personen- und Sachschäden, Nachweis vor Arbeitsbeginn. Der Chef schaut in seinen Versicherungsschein. Die pauschale Summe passt. Aber die Jahreshöchstleistung ist knapp, weil er im selben Jahr schon einen größeren Schaden hatte, und für Schlüsselverlust gilt ein niedriges Sublimit. Auf der Baustelle soll er einen Generalschlüssel für die Schließanlage bekommen. Er klärt das vor Arbeitsbeginn, nicht erst, wenn der Schlüssel weg ist.
Worauf du achten solltest
- Schau in deinen Versicherungsschein: Wie hoch ist die Deckungssumme je Schadenfall?
- Prüfe, ob sie pauschal für Personen-, Sach- und Vermögensschäden gilt oder getrennt je Schadenart.
- Such die Jahreshöchstleistung: Wie oft steht die Summe pro Jahr zur Verfügung?
- Lies Versicherungsschein und Bedingungen auf Sublimits, vor allem für Schlüsselverlust und Bearbeitungsschäden.
- Prüfe, ob für einzelne Bausteine eine eigene Selbstbeteiligung gilt.
- Lies jeden größeren Auftrag auf Mindestsummen und Nachweispflichten, bevor du unterschreibst.
- Schau neu hin, wenn sich der Betrieb ändert: mehr Leute, größere Aufträge, neue Tätigkeiten.
Häufige Fragen
Reichen 1 Mio. Euro Deckungssumme?
Das lässt sich nicht für jeden Betrieb sagen. Ob eine Summe reicht, hängt davon ab, wie teuer ein Schaden in deinem Gewerk werden kann und was deine Auftraggeber verlangen. Steht im Auftrag eine höhere Mindestsumme, reicht deine Summe für diesen Auftrag nicht. Schau in deinen Versicherungsschein und in den Auftrag.
Was verlangen Auftraggeber?
Gewerbliche und öffentliche Auftraggeber schreiben oft Mindestsummen in den Vertrag oder die Ausschreibung und wollen vor Arbeitsbeginn einen Versicherungsnachweis sehen. Welche Summe das ist, steht im jeweiligen Vertrag. Lies ihn vor der Unterschrift und gleiche ihn mit deinem Versicherungsschein ab.
Werden Personen- und Sachschäden getrennt versichert?
In vielen Tarifen nicht: Dort gilt eine pauschale Deckungssumme für Personen-, Sach- und Vermögensschäden zusammen. Ältere Verträge nennen manchmal getrennte Summen je Schadenart. Welche Variante du hast, steht in deinem Versicherungsschein.
Was ist eine Jahreshöchstleistung?
Das ist die Grenze für alle Schäden eines Versicherungsjahres zusammen. In vielen Verträgen steht dafür ein Vielfaches der Deckungssumme, oft als Maximierung bezeichnet. Wie oft die Summe bei dir pro Jahr zur Verfügung steht, steht in deinem Versicherungsschein.
Unsicher, ob deine Summen passen?
Dann schauen wir es uns zusammen an. Beim Versicherungs-Aufmaß gehe ich mit dir den ganzen Betrieb durch: deinen Vertrag, die Grenzen in den Bedingungen und das, was deine Auftraggeber verlangen. Danach weißt du, wo du stehst.