
Geschrieben von Davis Kilian, Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK)
Wie funktioniert eine betriebliche Krankenversicherung?
Du schließt als Chef einen Gruppenvertrag für deinen Betrieb ab. Versichert sind deine Mitarbeiter, Beitragszahler bist du. Das Kürzel dafür ist bKV.
Sie bleiben in ihrer bisherigen Krankenversicherung, die bKV kommt obendrauf. Sie bringt Leistungen, die die Kasse gar nicht oder nur zum Teil zahlt.
Welche Leistungen das sind, suchst du dir je nach Anbieter aus Bausteinen aus. Typisch sind diese:
- Zahn: Zuschüsse zu Zahnersatz, Füllungen oder professioneller Zahnreinigung.
- Vorsorge: Untersuchungen, die die Kasse nicht oder nicht in diesem Umfang zahlt.
- Brille und Kontaktlinsen: ein Zuschuss in festen Abständen.
- Krankenhaus: zum Beispiel Zweibettzimmer oder Behandlung durch den Chefarzt.
- Budgettarif: ein fester Betrag pro Jahr, den jeder Mitarbeiter für verschiedene Gesundheitsleistungen aus einem Katalog nutzen kann.
Welche Bausteine es gibt und wie hoch die Erstattung ist, regelt der jeweilige Tarif. Das unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter deutlich.
Muss ich meine Leute vorher durchchecken lassen?
Bei einer privaten Zusatzversicherung beantwortet meist jeder einzeln Gesundheitsfragen. Wer schon Probleme mit den Zähnen hat, zahlt dann unter Umständen mehr oder wird nicht angenommen.
Bei der bKV ist das oft anders. In vielen Tarifen entfällt die Gesundheitsprüfung, wenn eine bestimmte Zahl an Mitarbeitern versichert wird. Bei manchen Tarifen gibt es dann auch keine Wartezeiten. Ab welcher Gruppengröße das gilt und was mit Behandlungen ist, die schon laufen oder angeraten sind, steht im jeweiligen Tarif.
Für deine Mitarbeiter ist genau das oft der Punkt. Auch der Geselle mit dem schlechten Gebiss oder die Bürokraft mit Brille sind je nach Tarif dabei, ohne Fragen nach Vorerkrankungen. Laufende Behandlungen sind oft trotzdem ausgenommen.
Ab wie vielen Mitarbeitern lohnt sich das?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Je nach Anbieter geht eine bKV schon ab wenigen Mitarbeitern. Kleinere Gruppen bekommen aber manchmal nicht alle Bausteine oder müssen doch Gesundheitsfragen beantworten.
Oft gilt die Regel: Entweder alle Mitarbeiter oder eine klar abgegrenzte Gruppe, etwa alle Festangestellten. Ob Azubis, Teilzeitkräfte und Minijobber dazugehören können, regelt der Tarif. Lege das fest, bevor du es im Betrieb ankündigst.
Bei vielen Anbietern können Familienangehörige mitversichert werden. Meist zahlt der Mitarbeiter das dann selbst, je nach Tarif zu Konditionen des Gruppenvertrags.
Was bringt mir das als Chef?
Wer gute Leute halten will, sucht mehr als Lohn. Eine Erhöhung geht im Alltag schnell unter. Eine bKV merkt der Mitarbeiter jedes Mal, wenn er beim Zahnarzt oder Optiker weniger zahlt.
Das kann helfen, Leute zu halten. Es kann auch in der Stellenanzeige den Unterschied machen, wenn sich ein Geselle zwischen zwei Betrieben entscheidet. Versprechen kann das niemand. Es ist ein Baustein neben Lohn, Arbeitszeit und Betriebsklima.
Bei den Fehlzeiten ist es ähnlich. Wer zur Vorsorge geht und Beschwerden früher behandeln lässt, fällt vielleicht seltener lange aus. Ob das in deinem Betrieb so kommt, hängt von deinen Leuten ab. Eine Garantie gibt es dafür nicht.
Wie sieht das steuerlich aus?
Wie die Beiträge bei Lohnsteuer und Sozialabgaben behandelt werden, hängt von der Gestaltung des Vertrags ab. Das ist eine allgemeine Übersicht, keine Steuerberatung. Klär das vor dem Abschluss mit deinem Steuerberater, nicht hinterher. Nimm dafür das fertige Angebot mit, damit er die konkrete Gestaltung prüfen kann.
Beispiel: Ein Dachdeckerbetrieb mit zwölf Leuten sucht seit Monaten einen zweiten Vorarbeiter. Der Chef will nicht nur über den Stundenlohn konkurrieren. Er entscheidet sich für eine bKV mit Zahn und einem kleinen Vorsorgebudget für alle Festangestellten. Weil die ganze Mannschaft versichert wird, fragt sein Tarif keine Gesundheit ab. In der nächsten Stellenanzeige steht der Zusatzschutz mit drin. Vorher hat er mit seinem Steuerberater geklärt, wie die Beiträge in der Lohnabrechnung laufen.
Und was ist mit der betrieblichen Altersvorsorge?
Beides sind Leistungen für Mitarbeiter, aber für verschiedene Dinge. Die bKV hilft jetzt, beim nächsten Zahnarztbesuch. Die betriebliche Altersvorsorge wirkt erst im Ruhestand, und für sie gelten eigene Regeln. Was du dazu wissen musst, steht im Artikel zur betrieblichen Altersvorsorge.
Worauf du achten solltest
- Erst überlegen, was deine Leute brauchen. Eine junge Mannschaft hat andere Wünsche als ein Team mit vielen Brillenträgern.
- Klären, ab welcher Zahl an Mitarbeitern der Tarif ohne Gesundheitsfragen versichert.
- Nachlesen, was mit laufenden oder angeratenen Behandlungen ist und ob Wartezeiten gelten.
- Festlegen, wer dazugehört: alle, nur Festangestellte, auch Azubis und Teilzeit?
- Prüfen, was passiert, wenn jemand den Betrieb verlässt, und ob er den Schutz privat weiterführen kann.
- Steuer und Sozialabgaben vorher mit dem Steuerberater klären.
- Den Mitarbeitern erklären, was drin ist. Ein Zusatzschutz, von dem keiner weiß, bindet niemanden.
Häufige Fragen
Wie funktioniert eine betriebliche Krankenversicherung?
Du als Arbeitgeber schließt einen Gruppenvertrag ab und zahlst die Beiträge. Deine Mitarbeiter sind darüber zusätzlich abgesichert, zum Beispiel für Zahn, Vorsorge, Brille oder Krankenhaus, je nach Tarif. Sie bleiben in ihrer bisherigen Krankenversicherung, die bKV kommt obendrauf.
Wie wird die betriebliche Krankenversicherung steuerlich behandelt?
Das hängt davon ab, wie du den Vertrag gestaltest. Wie Beiträge bei Lohnsteuer und Sozialabgaben behandelt werden, klärst du vor dem Abschluss mit deinem Steuerberater.
Ab wie vielen Mitarbeitern geht das?
Je nach Anbieter schon ab wenigen Mitarbeitern. Die Mindestgröße und ab wann ohne Gesundheitsprüfung versichert wird, regelt der jeweilige Tarif.
Bleiben meine Mitarbeiter gesetzlich versichert?
Ja. Die betriebliche Krankenversicherung ist ein Zusatzschutz. Sie bleiben in ihrer bisherigen Krankenversicherung, die bKV kommt obendrauf. Sie ergänzt nur einzelne Leistungen.
Was passiert, wenn ein Mitarbeiter den Betrieb verlässt?
Meist endet der Schutz über den Betrieb mit dem Arbeitsverhältnis. Je nach Tarif kann der Mitarbeiter den Vertrag privat weiterführen, dann zahlt er selbst.
Passt eine bKV zu deinem Betrieb?
Ob und in welcher Form sich eine betriebliche Krankenversicherung für dich rechnet, sehen wir im Zusammenhang mit deinen übrigen Verträgen. Beim Versicherungs-Aufmaß schaue ich mir deinen ganzen Betrieb an: was da ist, was fehlt, was doppelt läuft.